„Gesundheitsschutz und Digitalisierung

waren im Coronajahr 2020

die bestimmenden Themen“

Vorstandsinterview, 12 Minuten Lesezeit

Der „normale“ genossenschaftliche Alltag lief 2020 in seinen gewohnten Bahnen: Zwei große Bauvorhaben hielten das dhu-Team in Atem, das Thema Klimaschutz bleibt weiterhin im Fokus. Ein Interview mit dem Vorstand zum vergangenen Geschäftsjahr.

2020 stand ganz im Zeichen der Coronapandemie. Wie verlief das Jahr aus Sicht der dhu?

Frank Seeger: Wir standen im vergangenen Jahr gleich zweimal vor der Heraus-forderung, die Genossenschaft sicher durch den sogenannten Lockdown zu steuern. Es galt, die Gesundheit unserer Mitglieder, Geschäftspartner und Mitarbeiter zu schützen. Wir hatten einen reibungslosen Ablauf der alltäglichen Arbeit zu gewährleisten, die vielen Verordnungen und neu geschaffenen Vorschriften umzusetzen, die umfangreiche, bundesweit verbindliche Lex Corona zu beachten und nebenbei auch noch neue digitale Veranstaltungsformate einzuführen.

Doch wir haben die ungewöhnlichen Umstände genutzt, das Thema Digitalisierung voranzubringen. 2020 ist es gelungen, die in Papierform vorliegenden Unterlagen elektronisch zu erfassen, eine entscheidende Grundlage für das mobile Arbeiten als eine Form des Homeoffice. Die ersten Mitarbeiter sind bereits gänzlich „papierlos“ im Einsatz.

In welcher Form wurden die Vertreter informiert?

Torsten Götsch: Die jährliche Vertreterversammlung fand etwas später als üblich im Juli 2020 statt. Sie konnte mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen noch als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Die regelmäßig stattfindenden Informationsveranstaltungen für die Vertreterinnen und Vertreter, von denen viele neu in die Versammlung gewählt worden waren, mussten dagegen ausfallen. Die Betroffenen wurden im Herbst schriftlich informiert und im Frühjahr 2021 zu einer Veranstaltung in digitalem Format eingeladen. Die jährliche Pflichtprüfung durch den Verband norddeutscher Wohnungsunternemen (VNW) fand ebenfalls – einschließlich der Schlussbesprechung – digital statt.

Baufortschritte in der Julius-Vosseler-Straße

Wie verliefen die großen Bauvorhaben der dhu am Schlicksweg und in der Julius-Vosseler-Straße?

Frank Seeger: Auch wenn der genossenschaftliche Arbeitsalltagdurch die Pandemie anders organisiert werden musste, kamen Neubau und Modernisierung planmäßig voran.

Nach vielen Vorarbeiten war im Herbst 2019 endlich Baubeginn für die mehr als 100 öffentlich geförderten Wohnungen in der Julius-Vosseler-Straße: ein facettenreiches Bauvorhaben, geprägt von Abstimmungen mit Kleingärtnern im Vorwege, der nahe gelegenen U-Bahnstrecke, den herausfordernden Bodenverhältnissen sowie der Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt und anderen Investoren.

Am Schlicksweg, wo uns ein Grundstück der Stadt anhand gegeben wurde, gestaltet die dhu demnächst ein weiteres Stück Hamburger Stadtentwicklung in Barmbek mit. Die Genossenschaft hatte die Grundstücksausschreibung mit einem überzeugenden Konzept gewonnen. Etwa 38 Wohnungen werden hier gebaut, davon 60 Prozent mithilfe öffentlicher Förderung; das gesamte Quartier soll später 700 Wohnungen umfassen. Unser Konzept sieht unter anderem sechs Mutter/Vater-Kind-Apartments und einen Veranstaltungsraum vor. Auch die Geschäftsstelle der dhu wird voraussichtlich 2024 vom Buchsbaumweg in den Schlicksweg ziehen. Daneben sind im Erdgeschoss Einzelhandelsflächen geplant, die durch die Coop eG aus Kiel realisiert werden sollen.

Bis 2045 soll der Wohnraum in Deutschland klimaneutral werden. Welche Herausforderungen bringt dieses Ziel für die dhu mit sich?

Torsten Götsch: Wir stehen zu den in der EU vereinbarten Klimazielen – jedoch nicht zur jeweils alleinigen Finanzierung der Maßnahmen. Würde die dhu den gesamten Wohnungsbestand wie verlangt bis 2045 klimaneutral stellen, bedeutete das eine nicht leistbare Investition von rund 300 Millionen Euro. Bei diesem Dilemma muss die neue Bundesregierung konkrete Lösungen anbieten und möglichst ergebnisoffen forschen. Wie sonst sollen Wohnungsbaugenossenschaften wie die dhu ihren Mitgliedern weiterhin bezahlbaren Wohnraum bieten?

Der Klimaschutz, durch die Pandemie im vergangenen Jahr scheinbar in den Hintergrund gerückt, bleibt für uns nicht zuletzt wegen der EU-Klimaziele im Fokus. Wir prüfen und ermitteln derzeit im gesamten Wohnungsbestand den Energiebedarf und die Möglichkeiten, CO2 einzusparen. Zusätzlich begleitet uns die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Sie prüft bei unserem Neubau am Schlicksweg unter anderem Möglichkeiten zur Senkung des Energiebedarfs, den Einsatz wiederverwertbarer Baumaterialien und die Vermeidung unnötiger Transporte und damit hoher Transportkosten. Ein weiteres Thema ist die bewusste Entscheidung für regionale Bauteile und Baustoffe.

Solarthermieanlage und neue Fassade der Wohnanlage Letzter Heller

Zwölf neue Wohnungen entstanden an der Ohlsdorfer Straße.

Ein Blick in die Zukunft, bitte.

Frank Seeger: Die Perspektiven für die fast einhundert Jahre alte Baugenossenschaft dhu eG sind, bei aller gebotenen Vorsicht, gut. Wir können auf das Mitarbeiterteam, das 2020 um eine Mitarbeiterin und eine Auszubildende gewachsen ist, zählen und haben im herausfordernden Jahr 2020 gemeinsam viel erfahren und gelernt. Auch das lässt uns positiv gestimmt in die Zukunft schauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das ausführliche Vorwort des Vorstands, einen Schwerpunkt zum Coronajahr sowie zum Bauvorhaben Julius-Vosseler-Straße finden Sie im diesjährigen Geschäftsbericht, den Sie sich hier downloaden können.