Aufgewachsen im Barmbek

der Nachkriegsjahre

Zeitzeuge: Gerhard Bock ist in der Emil-Janßen-Straße aufgewachsen, 8 Minuten Lesezeit

Gerhard Bock, Mitglied der dhu, ist Jahrgang 1940 und hat seine Kindheit in Barmbek-Nord in der Emil-Janßen-Straße verbracht.

Angeregt durch das Projekt „dhu history“ wandte er sich mit historischen Aufnahmen des Viertels an die Redaktion.

Gemeinsam unternahmen wir einen Rundgang durch die 1935 erbaute Wohnanlage.

„Vor dem Haus stand damals eine Pappel, die war so hoch wie das Haus“, erinnert sich Gerhard Bock. In der Emil-Janßen-Straße ist er aufgewachsen, bei den Großeltern. Dort hat er nach dem Tod seiner Eltern ab dem fünften Lebensjahr gewohnt. Dort hat er Rollschuhlaufen gelernt. Früher stand an der Straße eine Gaslaterne, gegenüber war noch Brachland. Der Senior zeigt ein Foto, auf dem er, ein schmaler Junge in kurzen Lederhosen, mit seinen Großeltern vor der Haustür der Nummer 9 zu sehen ist. Sein Großvater hat das Bild auf der Rückseite datiert: Es ist vom 26. Juli 1955.

Fahrräder gehörten auchin den 50er-Jahren zumAlltag.

„Was damals normal war, erscheint uns heute fremd. „Wir durften den Rasen zwischen den Häusern Nummer 7 und 9 nicht betreten, wenn wir zum anderen Haus wollten. Auch den Goldregenbusch an der Teppichklopfstange durfte man nicht anrühren. Er war giftig.“ Solche Büsche werden in den Wohnanlagen heute gar nicht mehr gepflanzt.

Im Hof übten sich die Kinder in Kibbel-Kabbel, einem damals beliebten Geschicklichkeitsspiel.Viele seiner früheren Spielgefährten kann Gerhard Bock heute noch aufzählen: zwei Kinder aus der Nummer 7, eines aus der 9, drei aus der 11 und weitere aus anderen Häusern. Prägende, schöne Erinnerungen.

Die Nummer 9 damals und heute

Damals wurde die Miete noch vom Hauswart abgeholt. „Das war Herr Nierswicki. Der machte seine Runde und kassierte an der Tür.“ Eine vergangene Welt, mit der Lars-Jörn Giraths, der jetzige dhu-Hauswart, nichts zu tun hat. Wir sind ihm zufällig in der Wohnanlage begegnet, und er schließt uns das Haus
Nummer 9 auf. „Im Treppenhaus bin ich oft auf diesem Treppengeländer heruntergerutscht“, erzählt der ehemalige Bewohner. Im Keller kann man noch die Luftschutzräume erkennen. Die mussten damals in allen Hamburger Häusern eingerichtet werden.

Natürlich sei früher viel einfacher gelebt worden als heute, sagt Gerhard Bock. „Die Dusche hatte einen Gasboiler und die Wasch-maschine einen Gasanschluss.“ Warmwasser gab es, doch in der Wohnung selbst sei es häufig recht kalt gewesen.Und an was erinnert er sich im Stadtteil? Auch dort hat sich einiges verändert. „Damals war an der Ecke der Milchladen Stolte. Und daneben der Schuhladen… Wie hieß er noch? Ach ja, Render. Der Bäcker lieferte die Brötchen noch bis vor die Wohnungstür.“ Eines ist aber geblieben – der Wochenmarkt in der Hartzloh.
„Den gab es damals schon.“

Die Fotos machen nachdenklich.
Bei den Bombenangriffen 1943
wurden viele Häuser zerstört.

Und dann stellt Hauswart Giraths uns noch den Kontakt zu einer langjährigen Hausbewohnerin her. Wir dürfen einen Blick in ihre Wohnung werfen: Es ist tatsächlich die von Gerhard Bocks Großeltern, die er später auch mit seiner Familie bewohnt hat. Die Seniorin war ihre Nachmieterin, als die Familie Bock 1980 in eine dhu-Wohnung am Alten Teichweg zog. Die beiden kennen sich sogar. Bei Kaffee und Kuchen lassen wir im Café den Rundgang ausklingen. Das Haus einmal wieder von innen zu sehen, in eine Wohnung zu gehen und vor allem seine damalige Nachmieterin getroffen zu haben, das sei einfach toll gewesen, meint Gerhard Bock.

#Zeitzeuge  #dhu_history

Wir bedanken uns herzlich bei

Gerhard Bock

für den Rundgang durch seine
„alte“ Wohnanlage und die zur
Verfügung gestellten Fotos.